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Pazar, Eylül 27, 2020

YASAR AYDIN: FETÖ, AKP, -„İNCİRLİK“-KRISE…

yasarTürkei-Experte an der HafenCity Universität Hamburg Yasar Aydin, sprach zum Günes Magazin über diese brisanten Themen: FETÖ, AKP, -„İncirlik“-Krise zwischen Deutschland und der Türkei…

ELBE EXPRESS/INTERVIEW

Inwiefern hat der Putschversuch und die anschließenden Maßnahmen in der Türkei Deutschland beeinflusst?

Bereits in der Putschnacht und auch später organisierten Türkeistämmige Protestkundgebungen, die in Teilen der Mehrheitsgesellschaft auf Unverständnis und Kritik stieß. Auf die Kölner-Protestkundgebung, an der Beobachter zufolge überwiegend Konservative und AKP-Sympathisanten teilgenommen haben sollen, reagierten Teile der Medien und der politischen Klasse mit Empörung: Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren wolle, könne Deutschland verlassen, Kanzlerin forderte die Deutschtürken zur Loyalität auf. Es wurde sogar vor einer „türkischen Pegida“ gewarnt, was in meinen Augen eine höchstfragwürdige, interessegeleitete Konstruktion ist. Kurz: Der Putschversuch stärkte die Polarisierung unter den Türkeistämmigen in Deutschland und vergrößerte auch die Kluft zwischen ihnen und der Mehrheitsgesellschaft.

Mehr noch: Der repressive Kurs und die nationalistische Rhetorik der türkischen Staatsführung sorgten in Deutschland für Unverständnis und führten auch zu diplomatischen Verstimmungen in deutsch-türkischen Beziehungen. Nach drei Monaten existieren weiterhin Ungereimtheiten über die Ereignisse in der Putschnacht, und Hoffnungen auf eine lückenlose Aufklärung über die militärische Revolte, die knapp 250 Menschen – Zivilisten, Soldaten und Polizisten – das Leben gekostet hat, sind verflogen. Kurz: Heute ist die Polarisierung in der türkeistämmigen Community stärker denn je.

Wie und in welchem Ausmaß haben sich die Gülen-Anhänger in Deutschland organisiert?

Gülen-Anhänger – sie nennen sich selbst als Hizmet-Bewegung oder ‚von Gülen Inspirierte‘ – engagieren sich in zahlreichen Bereichen: In der Bildung, Wirtschaft, Politik und den Medien. Sie betreiben Kindergärten und Schulen, haben sich in Wirtschaftsvereinen zusammengeschlossen, organisieren Veranstaltungen und engagieren sich sogar in politischen Parteien. Seit 2013 befindet sich die Gülen-Bewegung in einem offenen Machtkampf mit der AKP-Regierung. Wenngleich viele die von der Türkei vorgelegten Beweise als unzureichend bewerten, verdichten sich die Anzeichen für eine Beteiligung von Gülen-Anhängern an dem Putschversuch. Und viele Beobachter legen plausible Gründe vor, dass Gülen-Anhänger in der Politik, Verwaltung, Polizei und den Sicherheitskräften Strukturen aufgebaut hätten, die mit den Prinzipen moderner Staatlichkeit – Loyalität gegenüber dem Staat und den Vorgesetzten, Befolgung von Gesetzen – nicht vereinbar sind. Aus diesen Gründen hat die Gülen-Bewegung ihren einst ‚guten Ruf‘ verloren – auch in konservativen Milieus in Deutschland.

Gleichwohl werden die Gülen-Anhänger versuchen, ihre Aktivitäten in Deutschland fortzusetzen. Mit welchem Erfolg, bleibt abzuwarten. Gewiss ist ihre Dämonisierung nicht zielführend, jedoch legitim, von ihnen mehr Transparenz, Selbstkritik über ihre bisherige politische Aktivitäten und Bekenntnis zur pluralen Demokratie zu erwarten. Sie müssten sich entscheiden, ob sie eine religiöse Hilfsorganisation und Bildungsbewegung sein wollen oder ein politisches Netzwerk, das in die Politik eingreift ohne dafür demokratisch legitimiert zu sein. Zivilgesellschaftliche Teilhabe oder autoritärer Machtanspruch? Beides geht nicht.

yasar

Aus welchem Grund sind deutsche Medien in ihrer Berichterstattung und Haltung der Türkei gegenüber voreingenommen?

Zunächst einmal möchte ich unterstreichen, dass ein beachtlicher Teil der Kritik an den politischen Verhältnissen in der Türkei berechtigt ist. So etwa in Bezug auf die Medien- und Pressefreiheit, die Aushöhlung der Prinzipen der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung sowie den Demokratieabbau. Aber es stimmt, dass ein Teil der Medien gegenüber der Türkei voreingenommen ist. Das hat verschiedene Gründe: Die Medien sind nicht immer frei von ‚nationalen Interessen‘ ihres Landes, die sich manchmal auch in den Medienberichten und Kommentaren widerspiegeln. Zudem müssen sie anschlussfähig sein an die politische Atmosphäre im Lande und an die globale ‚Großwetterlage‘, beides ist gegenwärtig aus unterschiedlichsten Gründen nicht besonders türkeifreundlich. Zudem haben wir es in Deutschland mit einer lautstarken türkeiskeptischen Öffentlichkeit zu tun, die es mit ihrem Türkeibild nicht so genau nimmt und sich auch immer gerne zum Türkei-Bashing hinreißen lässt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass ein Teil der deutschen Bevölkerung – auch anlässlich des Dschihadismus und der Instabilität in Teilen der islamischen Welt – skeptisch gegenüber Islam und Muslimen eingestellt sind. Ihre Ängste werden von den sogenannten „Islamkritikern“ weiter geschürt.

Wie beurteilen Sie die „İncirlik“-Krise zwischen Deutschland und der Türkei?

Ich halte es für begrüßenswert, dass diese diplomatische ‚Krise‘ zwischen Deutschland und der Türkei überwunden werden konnte. Es wäre schlecht für die Terrorbekämpfung, wenn es nicht zu einer Einigung gekommen hätte und Deutschland seine Truppen abziehen müsste. Es war falsch, zwei Dinge, die Armenier-Resolution und Besuch von deutschen Soldaten durch die Bundestagsabgeordneten miteinander zu vermengen. Es kommt in den deutsch-türkischen Beziehungen öfters zu einer Verflechtung von Sachverhalten und Ereignisse, die man eigentlich auseinander halten müsste. Das Flüchtlingsabkommen, an dem sich die Türkei übrigens auch hält, diente zur Hilfe von Flüchtlingen. In der türkeiskeptischen Öffentlichkeitdagegen wurde es – völlig überzogen – als ‚Kotau vor Ankara‘ oder ‚Unterstützung von Erdoğan‘ diskreditiert.

Wie weiter mit deutsch-türkischen Beziehungen?

Deutschland und die Türkei sind eng miteinander verflochten – die Beziehungen reichen Jahrhunderte zurück, es findet eine rege Mobilität und Austausch zwischen beiden Ländern statt und in Deutschland leben über drei Millionen Menschen mit Wurzeln in der Türkei. Trotz Schwierigkeiten und interkultureller Missverständnisse schreitet ihre Eingliederung in die hiesige Gesellschaft voran, immer mehr Türkeistämmige partizipieren am politischen und sozialen Leben. Politik darf nicht zulassen, dass dieser Integrationsprozess durch Islamfeindlichkeit und „Türkei-Bashing“ torpediert wird. Gewiss: Türkei-Kritik ist legitim und es bringt uns nicht weiter, Fehlentwicklungen in der Türkei unter den Teppich zu kehren. Verblüffend ist jedoch, dass ein Teil der politischen Klasse und türkeiskeptische Hobby-Lobbyisten in Deutschland weniger an einer Überwindung von Konflikten und Differenzen zwischen Deutschland und der Türkei als vielmehr daran arbeiten, die Vertiefung bilateraler Zusammenarbeit zu verhindern.

yasarkitap YASAR

Dr. Yaşar Aydın studierte an der Universität Hamburg Soziologie und Volkswirtschaft (2001), absolvierte an der Universität Lancaster (England) sein Masterstudium in Soziologie (2002) und promovierte 2009 an der Universität Hamburg mit der Dissertationsschrift „Topoi des Fremden: Zur Analyse und Kritik einer sozialen Konstruktion“. Nach der Promotion arbeitete er im Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, an der Universität Hamburg und in der SWP – Stiftung Wissenschaft und Politik als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Türkeiforschung, Migrations- und Integrationstheorien und Migrationsbewegungen zwischen Deutschland und der Türkei. Derzeit ist er Lehrbeauftragter an der HafenCity Universität in Hamburg. Neben Fachbeiträgen schreibt er Kommentare für türkische (Hürriyet Daily News) und deutsche Zeitungen

 

 

 

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1 YORUM

  1. gayet güzel ve bir bilim adamına yakışan ifadeler..
    meseleyi objektif ve yalın bir dille ortaya koyan De. Yaşar Aydın’ı kutlarım..

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